Arabischsprachige Ambulanz
Shownotes
Sprache schafft Verständnis schafft Vertrauen. Und genau das ist der Schlüssel in der Behandlung von Dr. Mahmoud Negm: Die arabischsprachige Ambulanz des Asklepios Fachklinikums Göttingen kann sich seit Gründung vor Anfragen kaum retten. Depressionen, Angststörungen, Belastungsstörungen – die Probleme sind die gleichen wie in deutschsprachigen Ambulanzen, doch die Gründe dafür und der Umgang damit oft unterschiedlich, erzählt Negm.
Dr. Mahmoud Negm Oberarzt der Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen Asklepios Fachklinikum Göttingen https://www.asklepios.com/konzern/standorte/expertensuche/profil/mahmoud-rashad-negm-35942
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00:00:04: Viele wollen einfach die Tatsache, dass sie depressiv sind oder dass sie ängstlich sind.
00:00:10: Nicht zugeben weil manche denken das hat mit Glauben zu tun oder kann sein oder bedeutet vielleicht mein Glaubenschwache
00:00:21: ist.
00:00:23: Moin und willkommen zu.
00:00:24: Was heißt hier gestört?
00:00:26: dem Podcast aus der Psychiatrie über Psychiatry.
00:00:29: Mein Name ist Vera Fester und ich darf hier immer mit netten Menschen über spannende Psychiatrithemen sprechen.
00:00:34: Heute ist dieser nette Mensch Mahmoud Negem, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Göttingen.
00:00:40: Dank seiner ägyptischen Wurzeln spricht er arabisch und hilft deshalb sehr vielen arabischsprachigen Menschen mit psychischen Problemen.
00:00:48: Welche das genau sind?
00:00:49: Und worauf es ihm bei der Behandlung besonders ankommt, erzählt er jetzt!
00:00:58: Ich starte immer mit der Frage, was heißt hier gestört?
00:01:01: Was ist Ihrer Meinung nach
00:01:03: gestört.
00:01:05: Gestört in der Klinik bei uns heißt manchmal eine Erkrankung, psychische Erkrankung.
00:01:12: Gestürzt manchmal heißt für uns wir möchten etwas mehr erreichen und Entwicklung schaffen.
00:01:19: Und ... Wir haben Schwierigkeit einfach das Ziel zu erreichen.
00:01:23: Das kann auch als Störd kommen Und sehr häufig hier stört, wenn wir Kollegen verlieren ... die vielleicht woanders gehen wollen.
00:01:37: Ah, okay!
00:01:39: In der Psychiatrie ist das sehr besonders.
00:01:42: Patienten bauen immer Langzeitbeziehungen mit den Ärzten und sie fühlen sich sehr wohl bei diesem Psychiater, bei dieser Psychologin in weiterer Behandlung zu bleiben immer jedes Mal, wenn einer Kollegen oder ein Kollege woanders hingehen möchte was es voll berechtigt ist.
00:02:06: Das tut hier für viele Patienten weh und das ist auch
00:02:11: stört.
00:02:13: Und trotzdem muss man dazu sagen, Sie sind ja sogar so einer.
00:02:16: Der weggegangen ist nicht komplett aber das erklären wir jetzt.
00:02:21: und zwar haben wir auch schon unser Vorgespräch geführt über Internettelefonie und da saßen sie gerade in Dubai.
00:02:30: was machen sie in Dubai?
00:02:32: Ja in Dubai explizit nur nicht sondern ich wohne in Dubai arbeite ich in Abu Dhabi bände ich täglich Von Dubai nach Abu Dhabi, wo die Familie noch in Dubai lebt.
00:02:45: Sie pendeln täglich zwischen Dubai und Abu Dabhi?
00:02:47: Richtig!
00:02:48: Wow okay.
00:02:49: Zirka eine Stunde.
00:02:51: Das ist aber unproblematisch.
00:02:52: also ich muss sagen... Ich wohne ganz beriffär in Dubai arbeite auch ganz berifär in Abu Dabi.
00:02:58: Also wir reden von circa einer Stunde, die man direkt am Autobahn verbringen sollte.
00:03:05: Es ist eine angenehme Zeit für mich bis jetzt.
00:03:08: Man weiß nie!
00:03:09: Und warum sind Sie dort?
00:03:11: Was machen sie da?
00:03:12: Ja, eine gute Frage.
00:03:13: also nach so viele Jahren hier in Deutschland bestimmt kommt die Zeit wo man die Aufgaben der Familie übernehmen musste.
00:03:24: ich als ältere Sohn Bruder von zwei Schwestern besondere Aufgaben, die ich erfüllen musste.
00:03:36: Und wo die Familie jetzt in Dubai lebt ... Mutter ist alt, dann bestimmt kommt die Zeit, wo man dabei sein musste.
00:03:48: Okay!
00:03:48: Das heißt sie sind aus familiären Gründen weggezogen?
00:03:52: Nur aus familiaren Gründen und arbeiten ja aber dort auch als Psychiater.
00:03:59: Wie
00:03:59: kann ich mir das davor stellen?
00:04:01: Ähm,
00:04:02: ja.
00:04:03: Als ähm ... Arabisch als Muttersprache für mich war einfach die Basis.
00:04:12: Also, als Psychiater sucht bestimmt die Patienten den Arzt oder die Ärzten, die die gleiche Sprache spricht, Kultur versteht und bestimmt kompetent ist.
00:04:26: Und hier glaube ich dass ich genug Erfahrung gesammelt habe.
00:04:32: Und wenn man diese Erfahrung mitnimmt und hat die Muttersprache dort, dann ist es bestimmt für die Patienten auch eine gute Chance, die Behandlung von diesem Arzt zu
00:04:45: bekommen.".
00:04:47: Dann lassen Sie uns noch mal den Schritt zurückgehen, weil sie haben ja ursprünglich hier sehr lange gearbeitet.
00:04:53: Also Sie haben ägyptische Wurzel und sind für Ihr Medizinstudium nach Deutschland gekommen?
00:04:59: Genau.
00:05:00: Haben das in Göttingen auch gemacht?
00:05:01: Genau!
00:05:03: Und haben dann in welchen Bereichen gearbeitet?
00:05:07: Interessant also erstmal wie jeder Assistenzarzt habe ich hier in Asclepius angefangen.
00:05:14: Vorher hab ich schon in der Forschung was gemacht, das war auch vier Jahre.
00:05:19: In deiner Neurologie oder Neurophysiologie in der Uni ... Und als ich hier angefangen habe dann wie immer rotieren uns zwischen verschiedenen Abteilungen.
00:05:33: Also hab ich zum Beispiel bei Gerontoppsychiatrie erst mal angefangen und bin in der Sucht ... sozusagen hingegangen.
00:05:42: Und danach kam ich bei Allgemeinpsychiatrie und Akutpsychatrie, und ... Bei Allgemeine- und Akutsychiatri hab' ich circa vier Jahre verbracht, und hinterher war ich in der Institutsambulanz tätig, und dann kam mein Facharzt hinterher Facharzprüfung, wo ich nach der Facharze in der Suchtabteilung gelandet bin bei Frau Christel Lüdecke.
00:06:08: Okay!
00:06:09: Kurze Erklärung an dieser Stelle.
00:06:11: Christel Lüdicke ist die ärztliche Direktorin des Asclepiosklinikums Göttingen und wie könnte es anders sein?
00:06:17: Mit ihr habe ich natürlich auch schon eine Folge für, was heißt hier gestört gemacht zusammen mit einem ihrer Patienten.
00:06:22: das ging da um Drogenentzug und Substitution.
00:06:25: genau so heißt die Folge auch falls ihr mal reinhören wollt.
00:06:28: Ich fand's auf jeden Fall super spannend
00:06:31: Und ich muss hier betonen dass Frau Ludike mir sozusagen eine große Chance gegeben hatte, den Raum und die Möglichkeit ... neue Ideen in Entwicklung hinzubringen.
00:06:43: Und zu unterstützen.
00:06:45: Eine ganz neue Idee hier im Haus war ... In Institutsambulanz am Holtensner Berg.
00:06:52: Ob wir etwas besonders dort anbieten für arabischsprachige Patienten, die definitiv Psochiata suchen, der Arabisch sprechen kann?
00:07:04: Und Frau Lüdiker hat uns sofort bei dieser Idee unterstützt.
00:07:10: Dann haben wir angefangen, Sprechstunden für arabischsprachige Patienten dort anbieten und das hat circa zwei Jahre gedauert bis wir schon den Erfolg gesehen haben.
00:07:22: Wir haben in der Zeit drei Stunden pro Woche angeboten immer am Donnerstag von fünfzehn Uhr bis achtzehn.
00:07:31: Mit der Zeit haben wir festgestellt ... Zahl nimmt zu.
00:07:35: Wir sind langsam bekannter geworden und die Leute haben uns gefunden, erst mal gesucht gefunden und zu uns gekommen nicht nur für den Göttingen sondern von verschiedenen Ecken um herum.
00:07:48: also reden wir vom Nordheim weiterhin bis Hannover und südlich Richtung Kassel auch usw.
00:07:57: Und nach zwei Jahren dann kam die Zeit wo ich ... Göttingen und Deutschland verlassen wollte.
00:08:05: Es gab aber das Projekt am Holtensner Berg, wo gehen die Patienten hin?
00:08:11: Oder wer leitet die Institutsambulanz weiter?
00:08:15: Und das war die offene Frage!
00:08:18: Dann würde ich hier auch Frau Lüttiker benennen weil als ich mit der Idee gekommen bin ob es möglich ist dass wir die Institutsambulanz behalten, unsere Klienten behalten.
00:08:31: Aber unter der Bedingung dass wir dieser Zeit pro Quartal Termine für die Patienten anbieten und wo ich in der Zeit nach Deutschland, nach Göttingen extra kommen kann und die Institutsambulanz weiterhin betreuen kann.
00:08:51: Und war denn aber wenn wir noch mal gucken ... Wenn wir auf diese zwei Jahre gucken, die Entwicklung blieb es dabei?
00:08:59: Drei Stunden in der Woche sagten sie.
00:09:02: Oder haben Sie's in diesen zwei Jahren schon ausgebaut?
00:09:04: Weil Sie gemerkt haben, der Andrang ist so groß, dass Sie mehr Stunden angeboten haben sozusagen?
00:09:09: Bis Ende bis ich hier Göttingen verlassen habe.
00:09:13: Wir sind bei drei Stunden pro Woche geblieben weil das war wöchentlich und ... Irgendwie, wenn die Patienten den Termin verpassen oder so.
00:09:24: Das war nicht schwierig ein Ersatztermin zu bekommen nächste Woche direkt.
00:09:30: Aber ganz am Ende sagen wir mal in den letzten sechs Monaten dann haben wir festgestellt das Patientenzahl drastig können
00:09:40: Sie da so eine Zahl nennen, was heißt drastisch zugenommen?
00:09:42: Wir haben erst mal pro Quartal mit dreißig-fünfunddreißig Patienten.
00:09:50: Und fast am Ende also nach zwei Jahren dann haben wir die hundertzwanzig erreicht.
00:09:55: Wow!
00:09:55: Okay, also vierfach fast eigentlich.
00:10:00: Jetzt kommen sie einmal im Quartall mit dem Flieger hierher um arabischsprachige Menschen zu begleiten, um sie in der Ambulanz an Empfang zu nehmen.
00:10:10: Welche Menschen kommen da zu Ihnen?
00:10:15: Zu achtzig Prozent unserer Klienten sind arabischsprachige Patienten, männlich sowie weiblich.
00:10:23: Zwanzig Prozent sind immer unsere alte Klientinnen, die seit Jahren an die Institutsambulanz dort angebunden sind.
00:10:33: Einige sind auch mit Suchterkrankungen sozusagen eingestuft.
00:10:39: Und es gibt noch einige, die weiterhin ... die Behandlung bekommen mit Diagnosen zu schoßen oder chronische Depression und so weiter.
00:10:50: Die sind aber rein deutsche Patienten.
00:10:53: Ungefähr reden wir von zwanzig Prozent.
00:10:56: Aber die achtzig Prozent sind neue Patienten, die uns auch neu entdecken.
00:11:03: Mhm.
00:11:03: Und ... Man kann sagen, dass jetzt jedes Quartal ... bekommen wir immer zwischen zehn, fünf, zehn neuen Patienten.
00:11:12: Wow okay!
00:11:13: Die zu uns kommen und machen die Diagnostik, leiten wir die Behandlung ein.
00:11:20: Und bleiben die Weile bis sie sich stabilisieren.
00:11:25: Und je nachdem.
00:11:26: Entweder die machen das weiter bei dem Hausarzt wenn es nur um das Rezept geht oder bleiben die doch bei uns zum Teil, bis sie sich weiter mehr und mehr stabilisieren zu können.
00:11:38: Das heißt Sie sind jetzt einmal im Quartal hier fünf Tage die Woche, Montag bis Freitag für irgendwie acht Stunden?
00:11:45: Wie viele Menschen kommen dazu Ihnen?
00:11:47: Also wir reden von neunzig, fünfundneunzig hundert.
00:11:51: also das ist Mittelwert!
00:11:54: Jetzt stelle ich mir vor bei dieser Menge an Menschen da bleiben ja für manche Personen irgendwie nur ein paar Minuten.
00:12:02: Das ist sehr, sehr unterschiedlich.
00:12:03: Also wie ich jetzt gerade erzählt habe ... Wenn wir die Therapie einleiten, profitieren die Patienten von dem Antidepressiv und zum Beispiel.
00:12:12: Und die kommen beim nächsten Termin um nur eine kurze Kontrolle zu schaffen.
00:12:19: Verträglichkeit der Medikation, dass sie von der Medizin gut profitieren, dass auch mit der Dosierung so weit zurechtkommen.
00:12:28: Dann bleibt ... diese Termin bei vielleicht fünf Minuten, ja?
00:12:34: Alles gut.
00:12:35: Wir wiederholen das Rezept, aktualisieren wir das Rezip weiterhin und das war's.
00:12:42: Manche brauchen bestimmt längere Zeit.
00:12:47: Falls die Medikation nicht effektiv ist, falls irgendwas Neues dazukommt, dann geben wir bestimmt mehr Zeit.
00:12:55: Deshalb theoretisch bleiben immer so die Termine ... innerhalb von fünf, zehn bis zwanzig Minuten.
00:13:02: Aber wie wir das verwirklichen tatsächlich ... beiden allen Patienten, das ist total unterschiedlich.
00:13:09: Mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Ihnen?
00:13:13: Depression auf jeden Fall, Angststörung und definitiv ... vierzig-zu-fünfzig Prozent sind ihr traumatisiert.
00:13:25: Mhm.
00:13:25: Ähm
00:13:26: ... Aufgrund von aktueller Fluchterfahrung?
00:13:31: Genau.
00:13:33: Entweder, was die tatsächlich im Heimat erlebt haben oder auf dem Weg erlebt haben.
00:13:44: Depression und Angstörung kommt zuerst, entwickelt sich manchmal ... Traumata oder manchmal kommt das hier, weil die Schwierigkeit mit der Integration haben.
00:13:55: Weil die Schwichtigkeit, die Sprache lernen zu können ... Oder manchmal einige davon besonders wenn wir von über sechzig sprechen dass sie zum Beispiel keine Kraft mehr oder keinen gesundheitlich Zustand mehr haben um acht Stunden zu arbeiten.
00:14:19: Und die leiden darunter, weil die denken in der Zeit schwarz-weiß.
00:14:25: Entweder arbeite ich oder arbeite gar nicht und hier kommt die Rolle unserer Ambulanz dass wir auch mit den Patienten die Möglichkeit die Idee besprechen.
00:14:37: doch das geht aber vielleicht Metallbestelle.
00:14:40: Wir können auch erst mal mit vier Stunden anfangen Und langsam, dann bekommen wir die gute Komplience in der Richtung und dann probieren sie das aus.
00:14:51: Doch es macht Spaß!
00:14:53: Und fühlen Sie sich besser?
00:14:55: Die Stimmung verbessert sich und vielleicht schaffen wir die sechs Stunden oder acht Stunden spät.
00:15:00: Das haben wir bei einigen schon geschafft.
00:15:04: Welche Rolle spielt es dabei, dass Sie die gleiche Sprache sprechen?
00:15:09: Ganz große ... Wichtige Rolle.
00:15:12: Also, wenn wir die Besprechung in der Psychiatrie ... In der Anwesenheit von Dolmetscher-Dolmetschern, dann brechen wir den direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient automatisch, guckt Patient oder Patienten auf der Seite wo der Dolmettscher, der Doudlmesserin hinsitzt.
00:15:38: Klar, die Information kommt vom Arzt aber Patient kriegt diese Information von der anderen Person.
00:15:48: Leider das beeinflusst Arzt-Patientbeziehung sehr negativ und am Ende bleibt irgendwie im Kopf des Patienten oder der Patientin ... Das Bild vom Dolmetscher, nicht vom Arzt.
00:16:06: Und wenn man es aber vergleicht jetzt Vielleicht auch Sie als arabischsprachiger Arzt im Vergleich zu einem deutschsprachigen
00:16:15: Arzt,
00:16:16: was so das Vertrauensverhältnis vielleicht auch angeht aufgrund der Tatsache dass sie die gleiche Sprache sprechen wie ihre Patientin.
00:16:25: Wie macht das ein Unterschied?
00:16:27: Also Sprache ist Schlüssel der Beziehung.
00:16:34: Wenn der Patient oder die Patientin kommt.
00:16:37: Und erst mal, der weiß oder sie weiß ist arabischsprachiger Arzt er kann meine Sprache sprechen.
00:16:45: das heißt die suchen mich erstmal und die kommen weil die den arzt schon gefunden haben der arabisch spricht.
00:16:55: also das ist erst einmal die grundlage.
00:16:57: zweitens die gehen rein im gespräch und dusch die begrüßung wie ich sie begrüße Wie ich die Frage stelle, das kann immer so total anders sein als ... die reguläre Frage, die jeder Arzt hier fragt.
00:17:18: Wie geht's Ihnen heute?
00:17:20: Oder ja, wie geht es Ihnen mit der Medikation?
00:17:24: Ich fange das Gespräch nie mit solchen Fragen an.
00:17:27: Sondern es kann sein, dass ist irgendwas gestern zum Beispiel dort passiert oder her passiert und ich weiß, der Patient ursprünglich aus dem Irak kommt oder auch Syrien, je nachdem.
00:17:41: Und fange ich mit einer Frage die ganz wichtig für den Patient oder wie die Patientin ist und sofort merk' ich, dass der Patient mit volle Konzentration bei mir ist das ich ihn auch emotional erreicht habe.
00:17:59: Okay.
00:18:00: Das spielt eine ganz wichtige Rolle.
00:18:03: Das heißt, es geht gegebenenfalls nicht nur um die Sprache sondern auch um kulturelles Verständnis?
00:18:09: Auf jeden Fall.
00:18:11: Und wie man das ausdrückt.
00:18:14: Also... Es gibt diese paravirbare Sprachen und das beeinflusst das Gespräch entweder positiv oder negativ sehr und je nachdem wir die gleiche Sprache haben selbe Kultur, dann merkt man schon dass die Anbindung und hinterher die Komplienz des Patienten der Patientin ist viel besser geworden.
00:18:42: Was würden Sie dazu zählen?
00:18:43: zur Parabellsprache?
00:18:46: Je nachdem wie meine Körper Sprache zum Beispiel.
00:18:51: Es macht tatsächlich einen Unterschied.
00:18:52: also sie reden viel mit den Händen.
00:18:54: unsere Hörerinnen können das jetzt nicht sehen aber genau sie sind sehr viel mit den Händen, mit den Augen.
00:19:00: Genau, Mimikistik
00:19:01: ist ... Genau so!
00:19:04: Und das spielt auf jeden Fall eine ganz wichtige Rolle, um eine bessere Komplenz bei den Patienten zu erreichen und dass wir auch sozusagen mehr Vertrauen mit den Patienten aufbauen können.
00:19:20: Würden Sie aber auch sagen, dass es auch bei den Krankheitsbildern Unterschiede gibt?
00:19:26: Menschen, die aus dem arabischsprachigen Raum kommen.
00:19:28: Dass sie mit anderen jetzt abgesehen von einer Flüchtlingsthematik, dass die mit anderen Problemen hierherkommen zu ihnen in die Ambulanz als Deutschsprachige?
00:19:41: Auf jeden Fall!
00:19:43: Man fängt erst mal von Anerkennung des Fachs Psychiatrie.
00:19:55: Wir sind in eine Entwicklungsphase bei den arabischen Länder.
00:19:59: Klar, es ist viel besser als vorher geworden bedingt Social Media und Internet.
00:20:06: aber das alte Bild ist noch da besonders bei der alten Generation.
00:20:12: ich bin nicht verrückt um Sociata zu besuchen Ich bin doch da und ... ja.
00:20:22: Ich bin nicht im Alter, dass ich im Altenheim gehen musste also immer.
00:20:28: Wenn wir von Psochiata reden in Weder, reden wir von Verrücktheit oder reden wir vom Demenz so.
00:20:38: Langsam.
00:20:38: jetzt kommt die Entwicklung wo die neue Generation viele affektive Störungen wie die Depressionen, wie Angststörung wie Zwangsstörungen von anderen Störungen differenzieren zu können, die Bearbeitung von Traumater jetzt besser wahrnehmen können.
00:21:02: Und das spielt eine ganz wichtige Rolle jetzt sozusagen bei vielen Patienten, dass sie sich vertrauen im Psychiata zu besuchen und die Behandlung durchzuführen.
00:21:13: Das ist Nummer eins.
00:21:15: Ein Unterschied ... Ja, es gibt einen riesigen Unterschied.
00:21:18: Weil die depressive Patienten bei arabischsprachige Patienten ist anders als hier.
00:21:26: Zum Beispiel ... Immer wenn man den Patient fragt und die Patientin fragt, wie geht's ihnen?
00:21:33: Da sagt immer Gott sei Dank alles gut, obwohl es ihm schlecht geht.
00:21:39: Aber das kommt als automatische Antwort.
00:21:42: Es muss alles gut
00:21:43: gehen!
00:21:43: Das ist so sozialisiert?
00:21:44: Genau.
00:21:45: Also ... Ja, Gott sei Dank.
00:21:49: Mir geht's gut.
00:21:50: Aber hinterher sieht man ... Nee!
00:21:52: Das ist nicht überhaupt der Fall.
00:21:55: Also wie die Leute sich öffnen können und von sich selbst sprechen können, das ist anders.
00:22:03: Die brauchen Zeit und brauchen auch ein bisschen Müll bei der Aufragung damit wir die Information bekommen zum Beispiel.
00:22:15: Eine ganz wichtige Punkt.
00:22:18: Viele wollen einfach die Tatsache, dass sie depressiv sind oder dass sie ängstlich sind nicht zugeben weil manche denken das hat mit Glauben zu tun oder das kann sein oder das bedeutet, dass vielleicht mein Glaubenschwach ist Okay.
00:22:39: Ich darf nicht ängstlich sein, alles wird gut oder ich darf nicht depressiv sein, dass das geht nicht ist.
00:22:47: Es wird alles gut.
00:22:49: Ich hab einen Straxglauben und deshalb ... Nein, nein, alles gut und so weit.
00:22:55: Deshalb verschiebt es sich die Diagnostik und die Feststellung der Diagnose für bestimmte Zeit.
00:23:05: Und das ist auch eine ganz wichtige Faktion.
00:23:08: Nummer drei, das Vertrauen zu Tabletten allgemein ist total anders als hier in Deutschland.
00:23:16: Viele Menschen haben seit Jahren genug Informationen bekommen wie die Antidepressive wirken und wie kann man sie für bestimmte Zeit doch nehmen und hinterher absetzen ohne Probleme?
00:23:35: Bei unseren Klientin, es gibt viele die Angst haben, süchtig zu werden und sozusagen Abhängigkeit mit der Medikation zu bekommen.
00:23:49: Und das ist auch ein ganz wichtiges Problem was wir bei der Psychoeducation brauchen um einfach eine ausführliche Erklärung anzubieten, damit wir die Komplienz verbessern.
00:24:02: Okay.
00:24:03: Das heißt einerseits haben Sie den Vorteil, sie sprechen die gleiche Sprache, sie teilen bestimmte Werte vielleicht kultureller Aspekte und haben so den besseren Zugang?
00:24:15: Und gleichzeitig gibt es Stellschrauben, die schwierig sind zu lösen weil genau vielleicht mehr Angst vor der Psychiatrie herrscht Wobei Sie sagen, noch bei der älteren Generation.
00:24:28: Bei den Jüngeren tut sich da viel?
00:24:30: Bedeutet es auch, dass mehr jüngere Menschen zu Ihnen kommen oder ... Merkt
00:24:33: man schon ja.
00:24:34: Also prozentual kann ich sagen, dass ich mehr Klientin unter Sechzig haben und weniger Klientinnen von Gerontopsychiatrie also über Sechzig habe.
00:24:49: Und das geschlechter Verhältnis?
00:24:50: Gibt's da irgendwie Auffälligkeiten, wenn nicht weiblich?
00:24:53: Ich glaube nicht.
00:24:54: Das ist fünfzig-fünfzig Prozent ungefähr.
00:24:58: Okay und was ich ganz spannend fand im Vorgespräch sagten sie dass häufig Frauen zu ihnen kommen um Überscheidung zu sprechen.
00:25:09: Warum?
00:25:11: Das ist auch eine ganz wichtige Teil.
00:25:13: also viele Familien sind hier nach Deutschland gekommen als Familie Und die Familie ist so aufgebaut, dass Ehemann kommt ganz oben bei dem Hierarchensystem.
00:25:28: Dann kommt die Frau und Kinder usw.
00:25:31: Langsam, wenn sie hier landen, ankommen ... langsam erkennen die auch die Gesetze.
00:25:39: Was ist meine Rechte?
00:25:41: Dann spüren Sie zum ersten Mal Spüren!
00:25:44: Ich bin nicht so ganz unterstuft.
00:25:47: Und langsam verstehen die ihre Rechte besser und besser, dann kommt die Dynamik in der Beziehung.
00:25:56: Ich würde hier nicht akzeptieren, was ich vorher schon akzeptiert habe.
00:26:01: Ähm ... Ich sehe, dass ich mehr Richter in der Richtung habe als, äh, der Ehemann mir gibt.
00:26:12: Und daher entwickelt sich diese Dynamik zwischen den beiden.
00:26:16: Und je nachdem, manche können die Beziehung noch einmal wieder aktualisieren, umformulieren, neu wieder etablieren und viel mehr ... Also, die sind die Minderheit.
00:26:33: Aber vielmehr schaffen sie das nicht.
00:26:37: Und dann kommt die Frau zu dem Punkt.
00:26:41: Doch, ich ... möchte mich trennen lassen.
00:26:47: Besonders und hier der Knackpunkt.
00:26:51: Meine Kinder sind in Schulen also die sind gut gesichert.
00:26:55: Die haben Krankenversicherung.
00:26:57: Also ich muss nicht extra zahlen für Kinder oder ... Ich hab nie so viele Verantwortung wie vorher.
00:27:06: Deshalb bin ich soweit befreit und kann jetzt für mich entscheiden.
00:27:10: Und das ist der Knakpunkt.
00:27:12: Dann sieht man oder realisiert man zum ersten Mal, dass die finanzielle Seite ... Die Hauptrolle sozusagen in der Beziehung vorher gespielt hatte.
00:27:25: Um einfach diese Hierarchie zu schaffen und wenn die finanzielle Lage oder ... Der finanziellen Faktor hier ist gesichert dann ändert sich das Gedanken drastisch.
00:27:42: die Frauen dürfen mehr sehen und sich selbst besser erkennen.
00:27:47: Und danach bestimmt anders entscheiden.
00:27:49: Und streben dann gegebenenfalls eine Trennung oder eine Scheidung
00:27:52: an?
00:27:53: Und kommen aber zu Ihnen, weil Sie Probleme mit der neuen Rolle haben?
00:27:58: Oder ...
00:27:59: Es ist unterschiedlich.
00:28:00: Es gibt einige, die diese Entscheidung nicht umsetzen, sofort nicht umsetzen können, weil die Kinder noch sehen.
00:28:10: Ja, das ist unakzeptabel oder schwierig.
00:28:14: Manchmal bleiben die immer noch bei dem Punkt der Manipulation.
00:28:19: Weil es kann sein, dass der Ehemann realisiert ... Es wird schon!
00:28:26: Dann kommt er einen Schritt zurück und versucht, diese Situation zu manipulieren.
00:28:31: Und dann kommen sie durcheinander.
00:28:33: Also diese Dynamik.
00:28:36: Und manchmal landen die aufgrund dessen in Depression, weil sie nicht wussten was die tun sollen.
00:28:42: Oder leiden die unter Panikstörung und wenn man explodiert sucht dann findet man dass die Ursache so ist.
00:28:52: In diesem Fall brauchen die mehr Zeit um zu wissen was die wirklich brauchen und was die für sich selbst entscheiden wollen.
00:29:04: Es ist ein Langeprozess, aber am Ende ... die Mehrheit schaffen schon die richtige Entscheidung.
00:29:13: Ich würde gerne ein kurzes Assoziationsspiel mit Ihnen spielen und zwar nenne ich Ihnen einzelne Begriffe.
00:29:20: Und Sie können mit einem Begriff darauf reagieren direkt was Ihnen einfällt.
00:29:25: Okay!
00:29:26: Heimat
00:29:27: Sicherheit
00:29:29: Sprache
00:29:35: Ein Teil von mir.
00:29:37: Ausland
00:29:39: Interessant
00:29:42: Da Sie jetzt letztendlich nur noch einmal im Quartal herkommen, ist Deutschland das Ausland oder ihr?
00:29:51: Deshalb habe ich interessant.
00:29:53: Weil es zum ersten Mal mir Interessante ist mich selbst neu zu entdecken.
00:30:01: Ich wusste nicht vorher dass ich fast fünfzig Prozent meine Persönlichkeit als Deutsch geworden.
00:30:09: Und das habe ich erst mal im Ausland festgestellt, entdeckt und das war für mich sehr interessant.
00:30:17: Weil vorher wusste ich das nicht.
00:30:21: Das habe ich mehr realisierte als ich zum Beispiel jetzt nach Abu Dhabi, nach Emirat hingegangen bin wo verschiedene auch Kulturen... Dort gibt es mehrere Bevölkerung die miteinander leben.
00:30:36: Und wie hab ich mich identifiziert, wer bin ich?
00:30:41: Langsam habe ich festgestellt ... dass ich halb Deutsch bin.
00:30:45: Ja, das ist die Tatsache!
00:30:48: Und wie ich mich bei der Arbeit ... präsentiere und wie ich mit dem System umgehe.
00:30:57: Das ist meine Vorstellung.
00:31:02: Die Persönlichkeit an sich, da wurde mir gesagt Du bist eher deutsch und das war mir sehr interessant.
00:31:10: Das wusste ich nicht vorher, deshalb als ich Ausland gehört habe dann kam interessant weil ich finde es eine sehr interessante Entdeckung der Persönlichkeit im Ausland.
00:31:29: Glauben Sie denn dass das auch für viele Ihrer Patientin Ein wichtiges Thema oder eine wichtige Frage ist, wer bin ich?
00:31:39: Was ist meine Identität spielt das eine große Rolle
00:31:41: hier auf jeden Fall.
00:31:43: Das ist ganz wichtig weil viele haben Angst vor Integration, weil die denken Ich würde meine Persönlichkeit verlieren und das erklären der richtigen Erklärung von Integration.
00:32:03: Und das bedeutet nicht, dass ich meine Identität verlieren werde, sondern ich würde zusätzliche ... Neuigkeiten, Persönlichkeitecken und Eigenschaften gewinnen um vielleicht mein System, mein eigenes System abzudehnen zu verbessern.
00:32:27: Mhm.
00:32:30: durch diesen Punkt, dann können die besser verstehen.
00:32:34: Akzeptieren und dann sind die motiviert für das Integrationsprozess anders auf anderen Seite.
00:32:42: Wenn sie dieses Konzept nicht im Kopf haben, dann lehnen die die Integration ab weil die immer denken ich verliere dadurch meine Identität und das möchte ich nicht.
00:32:54: Sprechen Sie denn auch genau darüber mit Ihren Patienten?
00:32:59: bringen Sie dann auch Ihre eigene Geschichte mit ein oder ist das?
00:33:02: Trennen Sie das komplett?
00:33:03: Sicher.
00:33:04: Also viele, die zum Beispiel zu mir kommen und sagen wir haben Schwierigkeit die Sprache zu lernen.
00:33:11: Die können nicht vorstellen dass wir so die Sprachen lernen und mit der Sprache uns sozusagen präsentieren.
00:33:25: Dann sofort sage ich damals ich war genau so.
00:33:29: Aber es geht um die Wille.
00:33:32: Und wenn man will, dann wird man das erreichen.
00:33:36: Nur die Frage, warum möchte ich das erreichen?
00:33:39: Das ist die wichtige Frage, die jede Person beantworten zu müssen, damit man die Motivation bekommt.
00:33:45: Okay ... Weil wenn is ein Muss, weil is a muss.
00:33:49: Vielleicht kommt mit Resistenz und lehnt man das ab.
00:33:54: Wenn is ein Mus, weil iich das will,
00:34:01: Sie scheinen also auf mehreren Ebenen sehr wichtig für die Menschen hier in der Region zu sein, die Arabisch sprechen.
00:34:08: Jetzt sind sie aber leider nur einmal im Quartal da.
00:34:12: Wie soll es weitergehen?
00:34:13: Sie sind glaube ich auch aktuell in der Ambulanz nur zu zweit wenn ich's richtig verstanden hab
00:34:18: Genau.
00:34:19: Wird das irgendwie, der Bedarf hier ist groß?
00:34:22: Reicht es oder können Sie sich langfristig vorstellen auch nochmal mehr hier zu sein und Ihre Sprechstunden sozusagen auszubauen?
00:34:29: wie geht's weiter?
00:34:30: Der zweite Wahl ist jetzt bei uns schon im Planung dass unsere Arbeitstunden hier erweitern zu können weil wir das tatsächlich wollen weil wir auch den Bedarf sehen.
00:34:44: Wie geht es weiter, ob noch neue Mitarbeiter zu uns dazu kommen wie Therapeuten oder vielleicht Sozialarbeiter?
00:34:54: Oder vielleicht Assistenzarzt.
00:34:57: Das hängt bestimmt noch von den Arbeitstunden die wir erweitern möchten.
00:35:04: Momentan sehen wir das als Bedarf und wichtig.
00:35:11: Ich muss das aber organisatorisch hinbekommen.
00:35:13: Das ist jetzt ... ja, das Thema was mich gerade beschäftigt ist.
00:35:21: Aber auf jeden Fall auf dem Schirm und ich glaube es wird bald kommen.
00:35:27: Dann von meiner Seite die abschließende Frage Wie verabschieden Sie sich von Ihren Patientinnen?
00:35:32: Gibt's da so eine Sache die Sie immer sagen oder so?
00:35:35: Oder ist das ganz individuell?
00:35:38: Es ist ganz wichtig für die Patientin hier jedes Mal, dass ich betone.
00:35:47: Ach das ist nicht weit weg.
00:35:49: in paar Wochen wir sehen uns wieder und dann fragen sie ganz genau wann kommen Sie?
00:35:56: Und dann sage ich mein Flugticket sagt, dass Ich an diesem Tag nach Deutschland kommen sollte.
00:36:03: Dann bekommen sie immer die Sicherheit, dass es alles gut geplant ist.
00:36:08: Er hat sein Ticket und wird wieder
00:36:09: zurückkommen.".
00:36:11: Okay, das ist beruhigend!
00:36:13: Das erzähle ich, erwähne ich fast bei jeder Abschiebung am Ende ... Verabschiedung?
00:36:21: Genau damit sie sich sicher fühlen und dann beruhigen Sie sich dadurch.
00:36:28: Okay, spannend ja... Ich kann Ihnen sagen, ich habe ein Flugticket.
00:36:33: Und verabschiede mich deshalb auch und sage aber wirklich ganz herzlichen Dank für das Gespräch.
00:36:37: Ich weiß Sie haben einen sehr eng getakteten Terminkalender weil sie so selten hier sind.
00:36:43: Vielen Dank dass Sie sich die Zeit genommen haben.
00:36:45: danke!
00:36:45: Vielen vielen dank dass ich hier auch dabei sein darf in diesem wunderschönen historischen Raum bei unseres Krankenhaus.
00:36:54: Ich glaube das bereits Und
00:37:10: das war's schon wieder.
00:37:11: Noch eine neue Folge von Was heißt Ihr Gestört?
00:37:14: dem Podcast aus der Psychiatrie über Psychiatrien.
00:37:17: Wenn ihr Fragen habt oder irgendwas loswerden wollt, meldet euch einfach über die Social-Media Kanäle.
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